Summertime and the living is easy - Vernissage am 9. September

Summertime and the living is easy - Vernissage am 9. September

Am 9. September ab 19 Uhr eröffnet die Einzelausstellung „Summertime and the living is easy“ in der historischen Kirche Schotterey e.V. Zum Wiederholten Mal lädt der Förderverein zur Erhaltung der Kirche Schotterey e.V. damit eine Malereistudentin der BURG Giebichenstein Kunsthochschule Halle ein. Ruth Wadenpohl, die seit 2019 bei Tilo Baumgärtel studiert, zeigt Collagen im Kircheninnenraum und Steinpapierfiguren auf dem offenen Kirchhügel.

Begleitet wird die Vernissage von Jasmin Hassane. Die ausgebildete Schauspielerin bringt, entgegen ihrem gelernten Beruf, eigene Texte auf die Bühne. Teils gesprochen, teils melodisch interpretiert, versucht sie sich erstmals an atmosphärischer Raumschaffung durch Stimme und Klang.

 

Statement zur Ausstellung

 

Therefore I am

Closer to closer to core

Neither the neither

Nor the nor the nor nor nor noir


~ Jasmin Hassane

 

Es gibt Lieder, die klingen in mir fort. „Doin‘ Time“ in der Version von Sublime mit dem Vers „Summertime and the living is easy“ begleitet mich seit einem sehr frühen Novembermorgen vor sieben Jahren. Mein Kumpel Berkay und ich sitzen im Auto seiner Eltern und fahren zu seinem kleinen Frühstückslokal im westtürkischen Güzel Bahce. Güzel Bahce, das heißt schöner Garten. Der Sänger von Sublime singt, die Mandarinenbäume ziehen vorbei, es ist kühl. Berkay liebt diesen Song und ich adoptiere ihn. Ab jetzt ist er in den unpassendsten Momenten Teil der Backgroundmusik zu meinem Leben. Das Lied wächst an, angereichert mit neuen Erinnerungen, Bildern, gärt es vor sich hin und mittlerweile hört es sich für mich an, als wäre es schon immer da gewesen. Natürlich, nur für mich. In meinen Bildern will ich so einen Entfremdungsprozess, hin zu einem subjektiven Kern sichtbar machen. 

Am Anfang ist das Zeichnen. Ich schaue auf Menschen, Räume, Landschaften, mein Blick bleibt hängen, das Zeichenbrett auf dem Schoß spüre ich mit Bleistift und Kohle den Linien und Flächen nach, die mich interessieren. Die Zeichnungen nehme ich mit in die Druckwerkstatt, übersetzte sie in Linolplatten, rolle die glänzenden Farben ineinander auf, drucke, schnitzte weiter, setze Farbe auf Farbe, drehe die Druckplatte. Es entstehen vielschichtige Blätter, wenn ich sie ansehe, sehe ich Anmutungen. Es reizt mich, auf diese genauer hinzuweisen, also zerschneide ich die Blätter und formuliere sie so aus. Ich will nicht, dass aus den Formen klar Umrissene Figuren werden, aber ich will, das Figuren im Inbegriff scheinen, sich zu zeigen. Das Papier, auf dem ich arbeite, ist zart, ich will die entstehenden Bilder schützen, und gebe sie, wie kleine Bühnenbilder in einen Raum oder Schmetterlinge in einen Setzkasten. Dieser Prozess ist ein Schärfen. Ein fortwährendes Material-Schaffen, -Sortieren, -Transformieren. In Steinpapierfiguren lösen sich die Formen vom Papier und kommen in den Raum. Wie erstarrte Rochen-Wesen stehen sie vor mir, laden mich ein, mich um sie herum zu bewegen und den Versuch zu unternehmen, sie mir zu erklären.

 

Ruth Wadenpohl, August 2022

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